LWB: Kooperatives Wohnen ist kein architektonisches Problem

„Wohnideen für Leipzigs Zukunft“  – die städtische Wohnungsgesellschaft LWB hat mit einer Online-Werkstatt dazu aufgerufen, am Beispiel von Neubauten auf vier LWB-Grundstücken Ideen einzureichen, wie „zeitgemäßes Wohnen“  aussehen kann. Die Einsendefrist endete am 1. Februar 2015.

Einige Aktive aus dem Haus- und WagenRat e.V. haben das zum Anlass genommen, und in einer Konzept-AG vor dem Erfahrungshintergrund selbstverwalteter Wohnprojekte in Leipzig über Neubauten allgemein und die Rolle der LWB diskutiert. Ein Aufhänger der Diskussion war die allgemein geteilte Fachmeinung „Eine Warmmiete im klassischen Neubau ist nicht unter 10 €/m2 zu haben“. Ein bezahlbarer Neubau wäre damit ohne öffentliche Förderung nur etwas Reiche.

LWB Selbstverwaltung

Preisgünstig wohnen – Neubau nicht nur für Reiche

Um dennoch preisgünstigen Wohnraum auch im Neubau (unabhängig von wichtiger und richtiger staatlicher Förderung) denkbar zu machen beschreiben wir im Rahmen des LWB-Ideenwettbewerbs zwei Ansätze:
Mit dem “Teil-Haus mit Joker“ beschreiben wir anhand des Grundstücks in der Klingenstraße den Ansatz, trotz hoher Baukosten über die Senkung der Wohnflächen die individuelle Mietbelastung zu senken – dank ausgeklügeltem Grundriss und „Jokerzimmern“ ohne dass die pro Person verfügbaren Flächen sinken. Damit das Teilen von Flächen gelebt werden kann, setzt der Ansatz die Selbstverwaltung der Hausgemeinschaft voraus. Für dieses Konzept gewann die AG Konzepte einen zweiten Preis im Wettbewerb.
Mit dem Vorschlag „Die Platte zieht mit“ für das Grundstück Meißner Straße beschreiben wir den Ansatz, mit der Wiederverwendung von Elementen rückgebauter Plattenbauten die modularen Bauweisen von einst wieder aufzugreifen und dank Recycling die Baukosten zu senken. Beide Modelle ermöglichen Teil-Selbstausbau.

Selbstorganisation und LWB

Beide Modelle setzen voraus, dass die Mieter_innen gemeinschaftliche und öffentliche Räume mit Leben füllen können. Das aber ist kein architektonisches Problem. Flexibilität, Partizipation und Kooperation in Haus und Quartier können nicht allein durch bauliche Lösungen (etwa Modulbauweise o.ä.) erreicht werden. Erst eine Herangehensweise, die das Soziale in den Blick nimmt, macht diese Ideen lebensfähig. Sie brauchen einen grundlegenden Wechsel des Organisationsmodells und der Herangehensweise, wie ein kommunales Wohnungsunternehmen wie die LWB ein Gebäude und dessen Bewohnerschaft betrachtet. Das beleuchtet die “AG Konzepte” in ihrem dritten Papier mit dem Titel “Kooperative Wohnformen brauchen nicht nur architektonische Lösungen“. Das Konzept schlägt vor, (Teil-) Selbstverwaltung unter dem Dach der LWB zu ermöglichen. Es erläutert Ansätze wie Hausverein, -fonds und einen Stadtteilgroschen.

Auch unter den weiteren Einsendungen sind sehr interessante Vorschläge dabei. Deutlich wird dabei, dass kooperative Wohnformen und genossenschaftliche Ansätze Themen sind, die sich in vielen Einreichungen finden.  Nicht nur deshalb laden wir dazu ein, Euch unsere und die anderen Entwürfe anschauen und in die (Online-)Diskussion einzubringen. Eine LWB, die sich in diese Richtung bewegt, wäre (unabhängig davon, wie die Jury letztlich entscheidet) ein Gewinn für alle.

PS. Nicht verschwiegen werden soll, dass die Architektenkammer Sachsen den Wettbewerb zu Recht kritisiert, weil er die Vorgaben für Architekturwettbewerbe unterläuft: aksachsen.wordpress.com Ein Grund mehr, sich auf inhaltliche Fragen zu konzentrieren.