Selbstorganisierte Räume für eine solidarische Stadt

„Hausprojekte“.. Unter dem Begriff lässt sich vieles fassen: Investorinnen, die ihre Luxuswohnungen als „Freiraum“ anpreisen; ehemals besetzte Häuser, die eine Volxküche betreiben; Freundeskreise, die gemeinsam ein Haus anmieten; Künstler_innen, die in Wächterhäusern auf die Bausubstanz achtgeben. Das alles gibt es in Leipzig.

kueche5 - Fotograf Thomas Rommel

In dieser heterogenen Leipziger Szene setzte im Frühjahr 2012 ein Diskussionsprozess ein, in dessen Zuge sich die Bewohner_innen einiger Häuser (im Rahmen eines Leserbriefs) auf einige Grundwerte und auch Abgrenzungen verständigten. Seit diesem Selbstverständnis ist viel passiert. Aus der Zusammenarbeit entstand der Haus- und WagenRat e.V. So unterschiedlich die einzelnen Projekte sind, die der Haus- und WagenRat e.V. vereint – von reinen Wohnhäusern mit vielen Kindern über den Wagenplatz mit Kulturprogramm bis zum Hausprojekt mit politischem Anspruch – so teilen sie doch die Grundwerte:

  • Gleichberechtigung aller BewohnerInnen und NutzerInnen,
  • Dauerhafte Vergesellschaftung durch kollektives Eigentum der Immobilien,
  • Die Schaffung einer solidarischen Infrastruktur zwischen den Projekten,
  • Die Unterstützung neuer Gruppen, die diese Ziele teilen,
  • Eine Nutzung, die auch Menschen mit geringen finanziellen Mitteln Zugang ermöglicht, nicht als Privileg einer kleinen Gruppe, sondern als Grundrecht aller Menschen.

Wie das in den einzelnen Räumen konkret umgesetzt wird, ist sehr verschieden. Manchmal sind die Bewohner_innen bewusst zusammengezogen, um ein leeres Haus auszubauen. Andere sind aus Mietergemeinschaften entstanden, die ihr Haus übernommen haben. In manchen Räumen wird vor allem gearbeitet. In anderen gewohnt. Manche haben große Gemeinschaftsküchen, in denen regelmäßig für alle gekocht wird. Andere haben klar abgetrennte Wohnungen. Einige Orte sind reine Kulturprojekte. Im anderen ist im Schuppen noch eine kleine Fahrradselbsthilfewerkstatt untergebracht.

Gemeinsam ist den Projekten, dass es ihnen nicht nur um ein „Schöner Wohnen“ für sich selbst geht – sondern um ihre Räume als Bausteine einer solidarischen Stadt. Der Haus- und WagenRat e.V. beschäftigt sich daher keineswegs nur mit der Vernetzung der Mitgliedsprojekte (das auch), sondern mischt sich ein: etwa wenn es um eine menschenwürdige Unterbringung von Geflüchteten geht oder um die Zukunft der Wohnungspolitik in Leipzig.