Wagenplätze

In Leipzig gibt es über ein Dutzend Wagenplätze. Aber was ist das eigentlich, ein Wagenplatz?

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Vereinfacht gesagt: Hier leben Menschen nicht in festen Häusern, sondern in ehemaligen Bauwägen oder LKWs. Das klingt nach einem sehr kargen Leben – doch tatsächlich sind viele der Wägen liebevoll aus- und umgebaut. Trotz des individuellen Lebensstils haben die Plätze in der Regel ein gemeinschaftliches Grundverständnis. Meistens gibt es geteilte Küchen-, Bade- oder sogar Saunawägen und die Bewohner_innen verwalten ihren Platz gemeinsam selbst.

Manche Plätze bieten Raum über 30 Bewohner_innen, andere nur für fünf Menschen, manche sind über Jahre stabil und bei anderen gibt es viele Ein- und Auszüge.

Was in aufwändigen Machbarkeitsstudien hochbezahlter Architekt_innen ein hehres Ziel darstellt, ist auf jedem Wagenplatz gelebte Praxis: „Flexibles und mobiles Wohnen, das sich immer wieder den Bewohner_innen anpasst.“ Hier aber nicht als Avantgarde-Häuschen für Reiche, sondern als gemeinschaftliches Wohnen mit sozialem Anspruch.

Warum machen Menschen das?

Die Bewohner_innen schätzen die Möglichkeit, sich selbst für wenig Geld Wohnraum zu schaffen, der ihren individuellen Bedürfnissen entspricht, der sich nach Bedarf anpassen lässt und in dem viel oder alles selbst gebaut und repariert werden kann. Oft geht das einher mit einem mehr der weniger engen Leben in einer Gemeinschaft, mit naturnahem Wohnen und vielem mehr.

Ein Video über das “Mikroapartment Bauwagen”. (Autoren: Hülswitt/Kreis; www.urbanevisionen.de)

Ist das nicht illegal?

Die Plätze in Leipzig sind in sehr unterschiedlichen Situationen. Manche haben ihr Gelände gemeinschaftlich gekauft, andere haben Miet- oder Pachtverträge. Manche der Wagenplätze sind aus Besetzungen hervorgegangen. Baurechtlich befinden sich Wagenplätze oft gezwungenermaßen in einer Grauzone, da Baurecht und Stadtplanung bislang das Wagenwohnen nicht im Blick haben.

Was macht der HWR?

Der Haus- und WagenRat e.V. setzt sich für die Anerkennung des gemeinschaftlichen Wohnens auf Rädern ein. Der HWR berät interessierte Wagenplatz-Gruppen zu Organisations- und Rechtsformen. Eine eigene AG arbeitet an Konzepten zur baurechtlichen Legalisierung  von Bauwagenplätzen.